wohin heute? käsekuchen und kaffeekorb sind gepackt. langsam muss ich mir ein system überlegen, nach dem ich die häuser aufsuche. noch systemlos führt mich der zufall vor die sanierte festung der straße. “videoüberwacht” wird gewarnt, auch die klingelanlage ist mit videokamera versehen. puh. also haustürklingelputz, mit “einfachsoreinkommen” ist da nix. tapfer klingel ich drauf los. während ich klingle, parkt hinter mir ein stadtjeep ein, einer von den großen, glänzenden. man steigt nicht aus, man beobachtet mich (beobachte ich meinerseits in der verspiegelten glastür). wie ich da so stehe mit meinen ausgelatschten turnschuhen, meinem ungestylten haarschnitt, meinem käsekuchen in der plastiktüte, mache ich sicher nicht den besten eindruck. endlich antwortet jemand. ich lächle gewinnend mit treuen augen in die kamera und erkläre möglichst artikuliert mein projekt und was ich damit vorhabe und wer ich bin und überhaupt und noch so allerlei. “kommen Sie doch einfach mal hoch” unterbricht mich die stimme und der summer wird gedrückt. drin! oben angekommen hatte ich erwartet, alles nochmal erklären und überzeugungsarbeit leisten zu müssen. aber die türe steht schon offen, axel ruft mich aus der küche herein, kommt mir mit der ausgestreckten hand zur begrüßung entgegen: “Sie wollen also ein buch schreiben.” er hantiert bereits an der espressomaschine. schöne großzügige parkettwohnung, elegant und pur eingerichtet, hinten sieht man ein kinderzimmer. meinen malzkaffee bekomme ich mit rohrzuckerbestäubtem milchschaum serviert. und das, obwohl ich eigentlich ungelegen komme, denn frau und kinder sind verreist, und die ungewohnt ungestörte freie zeit wollte und müsste er für die ausarbeitung seines vortrags morgen nutzen, er ist internist. trotzdem sitzt er mit mir in der offenen küche, ein entspannter gastgeber. „wir wohnen seit zehn jahren hier in der wohnung.“ erzählt er freimütig von sich aus und trifft somit gleich den punkt. „als wir eingezogen sind, da sah das haus so aus, wie das, das immer noch fotografiert wird, weil es so aussieht, wie es eben aussieht. heruntergekommene fassade und alles. dann kam die sanierung. sanierung, naja, schimmel haben wir trotzdem noch hin und wieder.“ kaum zu glauben. „aus der umsetzwohnung wollte ich eigentlich gar nicht mehr hierher. ich komm aus dem osten, meine frau ist aus dem westen, da sind unsere konsumerwartungen nun mal verschieden.“ sagt er mit einem resignierten achselzucken, das deutlich macht, wer die diskussion für sich entschieden hat. „obwohl ich es natürlich auch angenehm finde, hier und so zu wohnen: bescheidenheit ist, nun ja, keine zier, aber sie macht doch vieles einfacher. ah, dein ofen steht schief!” bemerkt er nach einem kurzen blick auf meinen käsekuchen. “eigentlich sollte man an diesem wochenende ja bei der fusion sein” sagt er, und das klingt vor dem hintergrund der einbauküche nun aber doch irgendwie seltsam. “als wir hierher gezogen sind, waren wir studenten. unsere kinder sind auch keine projekte und trotzdem haben wir den babyboom mitbegründet.” vom prenzlauerbergischen hedonismus von einst ist nicht mehr viel übrig geblieben, „der kiez ist doch mittlerweile nur noch ein suburb von berlin. alle tun so toll, aber wenn die partys mal zu laut werden, holen sie gleich die polizei. die meisten wollen nur nehmen, nehmen, nehmen.“ auch im haus grüßen sich beispielsweise längst nicht alle, obwohl man sich doch schließlich kennt. woran das liegt? „wahrscheinlich eine mischung aus arroganz und unsicherheit. vielleicht ist die distanz ja auch beruflich bedingt, sozusagen: professionell.”
„wir sind eine typische prenzlauerbergfamilie, das heißt, wir arbeiten beide, haben zwei kinder, sind glücklich, aber krepeln so vor uns hin. erst jetzt, wo die kinder langsam größer und selbstständiger werden, kann man vielleicht mal an karriere denken.“ hast du noch fragen, fragt er zum schluss. ja, ich frage mich, ob hier in der straße eigentlich alle die alten geblieben und einfach nur älter geworden sind. vielleicht gibt es “den stuttgarter” ja gar nicht?

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