Katalina ist auffallend hübsch, jung, mit spanischem Akzent. „Aha. Kindermädchen“, schießt es mir als erstes durch den Kopf. Aber schon stutze ich. Mich haben heute schon drei Kindermädchen an der Tür abgewiesen, aber keines von ihnen trug Diamantohrringe. Katalina hat ein unglaublich strahlendes Lächeln. Sie macht uns mit der Nespresso Maschine Kaffee, es gibt sogar entcoffeinierten im Sortiment, dann deckt sie das Marmortischchen im Wohnzimmer mit goldgefasstem Kaffeegeschirr, faltet auch die Servietten und steckt sie rechts unter die Teller, ja, nicht einmal das Milchkännchen fehlt. Wir setzen uns auf die schicke Designer Couchecke.
Auf einem Foto lachen Katalina und ihr Mann glücklich in die Kamera. Katalinas Mann kommt aus Norddeutschland, ist elf Jahre älter als sie und arbeitet als Rechtsanwalt für einen Energiekonzern. „Wir haben uns auf Fuerteventura kennen gelernt: ich war ziemlich besoffen an der Bar, er war ziemlich besoffen an der Bar.“ Katalina lacht und hält sich dabei die Serviette vor den Mund. „Wir hatten dort nur fünf Tage zusammen, am Ende hat er mir versprochen, dass wir eine Fernbeziehung probieren. Ich hab ihm das nicht geglaubt, wie denn auch, viele versprechen viele Dinge. Aber er hat mich alle zwei Wochen besucht. Und zehn Monate später bin ich zu ihm gezogen.“
„Aber wir werden bald umziehen, nach Kreuzberg. Die Wohnung war so hell, um diese Uhrzeit hatten wir hier drin Sonne. Jetzt ist gegenüber die Baustelle. Naja, es war absehbar, eine Freifläche in DER Lage. Außerdem wollten wir sowieso unsere eigene Wohnung haben.“
Katalina lebt jetzt seit zwei Jahren in Berlin, macht ihren Master in Statistik und arbeitet nebenher als Werkstudentin bei DEM Pharmakonzern Berlins. „Ich wollte immer Biometrikerin werden, und bei der ersten Bewerbung hat es geklappt.“ Sie ist jetzt zuständig für die statistische Auswertung von Tierversuchen. Tierversuche? Eine Abteilung voll Tiere in Käfigen? „Ja“, sagt sie, „der Konzern ist wirklich riesig. Die Tiere sind im Keller, hauptsächlich Ratten, Schweine, je nachdem, was man braucht.“ Schluck. Eine strahlend lächelnde Katalina rammt mehrere Spritzen in quiekende Tiere – nein, natürlich nicht, sie wertet die Statistik aus. Schade, dass ich los muss, jetzt würde ich gerne mehr über ihre Arbeit wissen. Aber der Mann geht auf Reisen, ich muss ihm winken, mit dem Baby auf dem Arm.
Zum Abschied pflückt mir Katalina noch ein paar Tomaten vom Balkon. „Aber du musst sie erst waschen, es ist immer Staub drauf, von der Baustelle.“

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