Ich bin begeistert. Von Janaína. Janaína öffnet die Tür mit einer schlammbraungrünen Schönheitsmaske im Gesicht. In meinem Rücken diskutieren drei Menschen, denen ich gerade meinen (eingekauften, tiefgekühlt eingekauften, ich gebe es zu, ich geb es ja wenigstens zu!) Kuchen schmackhaft zu machen versucht habe, blasiert und dennoch lautstark hinter der “Nein, (hmpf), danke (lach)” wieder verschlossenen Tür, ob man mich jetzt hätte reinlassen können und sollen und wollen, ob man vielleicht doch und was meinst du und was ich wohl für ein Jemand sei (puh.).
Janaína grinst mich an, ein dicker Klumpen Heilerde tropft ihr dabei runter. “Meine Eltern sind nicht da, aber… komm doch rein.” Janaína ist 13.
Was für eine tolle junge Person! Mutig finde ich sie, und wach und neugierig. Und höflich. (Heimlich mach ich mir ein bisschen Sorgen, ob sie vielleicht Ärger kriegt, später, von den Eltern, weil sie mich Wildfremden reingelassen hat.)
Sie führt mich ins Wohnzimmer, wo eine riesige Fotografie von 70er Jahre Kartenverkaufshäuschen hängt. “Von einem Freund vom Papa”.
Am Telefon hör ich Janaína Portugiesisch sprechen, ihre Mutter ist Brasilianerin, daher ist sie zweisprachig aufgewachsen. Janaína selber war auch schon ein paar Mal in Rio de Janeiro, bei Großeltern und Tanten. Ach, Rio, schwärme ich und mein Fernweh geht mit mir durch, was für eine schöne Stadt. “Ja”, sagt Janaína, “aber gefährlich. Als Kinder kann man da nicht allein rumrennen.”
Janaína geht in die Portugiesische Klasse ihrer Schule. An der Schule ist aber ein bisschen Chaos, erzählt sie, weil die Portugiesisch Lehrer neue Zertifikate für irgendwas beantragen müssen, und bis dahin dürfen sie nicht unterrichten. Das heißt: viel Unterricht fällt aus. Und außerdem wird eines der beiden Schulgebäude gerade saniert, deswegen müssen sie immer zwischen den Gebäuden umziehen.
Hier in der Straße zu wohnen, findet Janaína gut, “es ist alles nah. Supermarkt, Schule, Alexanderplatz.” Am Alexanderplatz trifft sie sich mit Freunden, vielmehr mit Freundinnen (“in unserer Klasse sind nur zwei Jungs”), bevor es weiter geht, zum Schwimmen, oder zu jemandem nach Hause. “Aber immer erst Alex, da können alle gut hinkommen, das liegt in der Mitte.”
Janaína hat noch zwei jüngere Zwillingsbrüder (natürlich zwei, was denn auch sonst, bei Zwillingen) als Geschwister. Ach herrje, sage ich, dann bist du ja ganz allein, als Mädchen. “Mhm. Sie verstehen sich sehr gut, manchmal schlafen sie sogar im selben Bett.” Und, frage ich, kannst du dich noch daran erinnerin, wie es war, als sie geboren wurden? “Ja”, sie nickt, “der eine war blau.”
Die Zwillinge sind in einer Agentur, sie zeigt mir ein Foto von einem von ihnen (“ich hab jetzt nur eins, aber sie sehen ja eh gleich aus.”) Bisher gehen die Zwillinge aber vorerst nur zu vielen Castings. “Bei einem war ich dabei”, erzählt Janaína, “da sollte ich sie zum Lachen bringen, weil sie lachen sollten und irgendwie waren sie zu unnatürlich. Also stand ich hinter der Kamera und hab Grimassen geschnitten, hab ein bisschen den Affen gemacht.”
Ob sie nicht auch Lust hätte, selber mal bei einem Casting mitzumachen? frage ich, weil ich sie für talentiert halte. “Naja, die Agentur hat schon gesagt, dass ich ihnen mal ein Foto von mir schicken soll.” Unbedingt machen!

Pingback: Ihr ward wunderbar. (das offizielle Ende). | hausbesuchwins
Die Zwillinge sind in einer Agentur, sie zeigt mir ein Foto von einem von ihnen („ich hab jetzt nur eins, aber sie sehen ja eh gleich aus.“)
mein Lieblingssatz….
oh ja, den mag ich auch sehr…