„Sind in dem Kuchen etwa Milch, Eier, Butter?“ fragt mich Nick auf englisch. Oh ja, sage ich (und freue mich, einem Briten, der ja, was Kulinarisches betrifft, nun wirklich nicht verwöhnt ist, wie man weiß, einen original made in Germany Kuchen präsentieren zu können, auf dass er ihm auf der Zunge zergehe, dem Briten), schließlich ist das ein Kuchen. „Dann kann ich ihn nicht essen, denn ich bin Veganer.“ Oh. Na, dann Kaffee? Nein? Dann Tee? Dann Tee. (Puh, dass sich unter den tausend Schwarzteebeuteln doch noch eine 6 Kräuter Mischung findet. Notiz: Bestand um Yogi und Grünen Tee aufstocken.)
Nick ist auch kein Brite, sondern Australier, kam vor ein paar Monaten erst nach Berlin – und führt mich als erstes auf seinen Balkon, um mir das Haus gegenüber zu zeigen. „Meine Freundin – also: jetzt meine Frau – und ich, wir sitzen oft hier und überlegen uns, wer wohl in dieser Wohnung wohnt, die da im oberen Stock ist. Das sieht aus, wie drei Wohnungen, ist aber nur eine einzige. Das haben wir aber auch erst gemerkt, als die sich mal mit nem Beamer Filme quer durch die Wohnung an die Wand projiziert haben. Und da, diese Wohnung mit den Außenrollos, die aussehen, als wären sie schon seit Jahren nicht mehr benutzt worden, und dieser Balkon, der im Gegensatz zu den anderen so vernachlässigt und heruntergekommen ist – wir denken uns darüber oft Geschichten aus…“
Nick und seine Freundin lebten in Perth, aber da mussten sie einfach weg. „Die Leute in Perth sind so wahnsinnig arrogant und blasiert“, erzählt Nick, „halten sich für was Besseres und wollen sich in regelmäßigen Abständen von den anderen Regionen in Australien für unabhängig erklären.“ Ist Perth denn so reich, frage ich, weil mich diese Seperatistenliebäugelei ein bisschen an die süddeutsche Heimat erinnert. „Oh ja“, betont Nick, „Perth gehört zu den zehn reichsten Regionen weltweit, wegen seiner Bodenschätze. Du kannst als Truckfahrer für die Minen arbeiten und 3000 Dollar die Woche verdienen.“ Was? frage ich und kratze in Gedanken schon das Geld für ein One-Way-Flugticket zusammen. „Ja. Dort arbeitet man zwei Wochen und hat dann zwei Wochen frei, und arbeitet wieder zwei Wochen, und hat wieder zwei Wochen frei und so weiter. Man arbeitet nur das halbe Jahr und verdient als Kloputzer in den Minen mehr Geld, als man im anderen halben Jahr ausgeben kann.“
Aber, eben, unerträglich, der Menschenschlag. „Wir sind dann nach New York ausgewandert.“ (Mal nebenbei, abgesehen von New York: wie MUTIG ist dieses Auswandern!!! Hopp, mir nichts, dir nichts. Was Besseres als den Tod finden wir allemal!) „Ich habe in Perth Architektur studiert, aber ich habe in New York noch keine Arbeit gefunden. Meine Frau ist Model und sie hat uns mit ihrer Arbeit während der drei Jahre New York über Wasser gehalten, während ich mich von unbezahltem Praktikum zu unbezahltem Praktikum hangelte. Unter uns war ein Restaurant, und wenn wir das Essen auf dem Tisch stehen gelassen haben, bevor wir nach draußen gingen, dann waren, als wir zurückkamen, überall Mäuse und Ratten. Ja, wir wollten weg aus New York, es war einfach zu hart, die Mieten dort sind einfach zu hoch. Und dann hat meine Frau einen Job bekommen, der uns wirklich viel Geld einbrachte – und da haben wir unsere Sachen gepackt, und sind nach Berlin.“
Wohnungen mussten sie sich mehrere anschauen, bevor sie die hier im Prenzlauer Berg fanden. „Eigentlich wollte ich nach Kreuzberg. Aber die Wohnungen dort sind entweder unbezahlbar, oder das allerletzte Loch. Und hier haben wir eine günstige Wohnung gefunden – und einen Besitzer, dem es egal war, dass wir keine Schufa Auskunft hatten und sonst nichts, als unseren Reisepass. Bei der Besichtigung hatten wir schon die Anzahlung in bar dabei und haben die Wohnung dann auch sofort bekommen.“
„Und Berlin ist so schön ruhig! In New York haben wir an der Ecke gewohnt, um vier Uhr früh fing der Tag an, mit Feuerwehrsirene und Müllabfuhr.“
Seine Frau wird sich demnächst selbstständig machen, mit saftigen DetoxKuren, zu viel soll ich nicht verraten. Schade, klingt so spannend. Aber auch der Preis wirkt saftig. Wirkt das denn? “Und WIE”, sagt Nick so, dass ich es ihm nicht nur sofort glaube, sondern auch SOFORT so eine DetoxKur haben will.
Und was würdest du gerne designen, wenn du könntest, frage ich. „Ich will erstmal überhaupt einen Job bekommen. Aber dann würde ich gerne alles einmal durchmachen. Ich würde gerne ein Haus planen, dann ein Museum, um dann irgendwann bei einem Privatjet zu landen. Mich interessiert, kleinsten Raum effektiv einzurichten. Aber, um ehrlich zu sein, würde ich meine Expertise am liebsten in den Dienst der Menschheit stellen, also irgendetwas Soziales, Humanitäres… Eher Menschen das Leben erleichtern, als jetzt einem Reichen noch eine Yacht mehr auszustatten. Nimm Mukesh Ambani, der reichste Mann Indiens, der sich jetzt in Mumbay das teuerste Haus der Welt gebaut hat: 37.000 Quadratmeter auf 27 Stockwerken mit 600 Angestellten. Direkt neben den ganzen Slums. Das ist doch… pervers.“

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