„Mit dem Kuchen hattest du mich“, gibt Valérie zu, als wir in der Tiptop aufgeräumt gefliesten Einbauküche sitzen – und ich feststelle, dass Valérie auch ein KalteMilchZumSchokokuchenTrinkEsser ist. „Ja, und vor allem mit einem selbstgebackenen“, pflichtet ihr auch ihr Freund Pièrre bei, der grad zu Besuch ist, und den sich Pierre amüsiert als Verstärkung an die Tür holte („Jetzt erzähl noch mal!“), „SELBTGEBACKEN, da kann man doch nicht nein sagen.“ Ich hab noch den fiesen Trick mit den Äpfeln aus der Schwiegereltern Garten, sag ich, das ist dann die härteste Nummer. Grins.
„Ich bin doch sehr froh, dass sie jetzt die Bürgersteige neu machen“, sagt Valérie, als wir uns über Gentrifizierung unterhalten, jetzt, wo hier in der Straße der halbe Gehsteig umgegraben wird, „das war doch vorher immer so ein schreckliches Geruckel.“ Nix für Absatzschuhe, sag ich. „Nein, in der Tat. Früher hab ich immer zu Sandra gesagt, die ja schon in Berlin gewohnt hat: was machst du nur mit deinen DesignerSchuhen, dass die immer so fertig aussehen, der Absatz ist ja völlig ramponiert. Seit ich in Berlin wohne, weiß ich, warum.“
Sandra ist die beste Freundin, mit der Valérie zusammenzog, als sie nach dem Abi von Hannover zurück in ihre Geburtsstadt Berlin kam. („Berlin ist so ne tolle Stadt, oder, da muss man doch einfach hin!“).
Sandra eist sich auch kurz von ihrem Schreibtisch los, wo sie für ihre berufsbegleitende Weiterbildung zur Steuerberaterin büffelt, um Hallo zu sagen. Sandra hat vor der WG Gründung in Friedrichshain gewohnt. „Prenzlauer Berg war dann irgendwie der Kompromiss zwischen Friedrichshain und Charlottenburg.“ Charlottenburg? frag ich, und an Valérie: wolltest du denn nach Charlottenburg? „Naja“, gibt Valérie zu, „so als Westsozialisierte dachte ich, man müsste unbedingt in den Westen ziehen…“
„Es ist erstaunlich“, berichtet Valérie von der Wohnungssuche, „was alles als „sanierter Altbau“ gehandelt wird. Von wegen saniert, da soll man Laminat dann noch selber legen…“ „Ursprünglich wollten wir in einen der beiden Türme da am Frankfurter Tor ziehen. Wir dachten, Türme, das wär doch was. Aber wir haben dann doch ziemlich schnell gemerkt, dass auf unserer Wunschliste eindeutig zu viel draufstand, für das Budget zumindest, das uns so zur Verfügung steht… Bis wir diese Wohnung dann besichtigt haben. Und auf dem Dach sind ja zwei so kleine Türmchen. Als ich die gesehen hab, und dann auch noch ein Mini – das ist mein Lieblingsauto – mit meinen Initialien im Kennzeichen vor der Tür stand, da war für mich sofort klar: das MUSS die Wohnung sein.“ Und so war es dann auch. „Wir haben den Makler bekniet, was wir denn tun müssten, um die Wohnung zu kriegen. Der hat uns nur schräg angeschaut und meinte: „äh… einfach unterschreiben?“ Wir dachten, es gäbe tausend Mitbewerber…“
Valérie macht gerade ihren Master in International Policy. Neben dem Studium arbeitet sie schon für Verbände wie den der Arbeitgeber. „Und das ist etwas, das ich mir gut für NachDemStudium vorstellen könnte: Lobbyarbeit.“
Pièrre kommt wie Valérie ebenfalls aus Spandau, nur ohne von dort weggezogen zu sein, hat Maschinenbau studiert und arbeitet bei einer großen Energiefirma im Vertrieb für Windkrafträder. Dafür ist er auch international unterwegs. Oh, großartig, sage ich, und, an Valérie gewandt: dann kannst du ja auch mal mitfahren. „Abgesehen davon, dass Pièrre immer nur ein, zwei Tage unterwegs ist, Kundentermin und wieder zurück: um als – entschuldige, dass ich es so sage – Häschen mitzufahren, bekomm ich keine Rentenbeiträge für später angerechnet”, sie lacht, “da muss ich schon selber ran!”

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Tja, manchmal ist es so einfach – unterschreiben und los.
Hab ich auch gemacht, allerdings andersrum.Ich hab den Mietvertrag mit Bauzeichnung zugeschickt bekommen (in den Prenzelberg), hab blind unterschrieben und bin dann von Berlin weg gezogen in den Ruhrpott. Hier war halt der Job. So lange wie in dieser blind unterschriebenen Wohnung hab ich in meinem ganzen Leben noch niergendwo gewohnt. Das einfach unterschreiben kann also so schlecht nicht sein. (Oder hatte ich einfach nur Glück?)
Dass ich mit Berlin noch nicht fertig bin, na ja, der berühmte Koffer halt … und dann auch noch Prenzelberg. Darum lese ich ja hier und lese und lese. Danke dir fürs Durchhalten!
So ein Kaffee bei mir wäre für dich nicht hilfreich, oder? Wie wäre es denn mal mit einem Hangout? (Ich bin ein Fan von google plus.) Du trinkst deinen Kaffee bei dir, ich meinen bei mir und wir machen eine Direktleitungsvideounterhaltung von Schreibkaffeetisch zu Schreibkaffeetisch? Ich so als alte Prenzelbergerin, das zählt ja dann vielleicht?
Grüße! N.
ach, herrje, liebe N., so wackelig, wie meine Internetverbindung derzeit ist, hätten wir beide keinen Spaß bei einer “Direktleitungsunterhaltung”, leider! Aber es scheint sich ganz gut zu wohnen, da, in deiner Wohnung! Sag mal, wann genau bist du denn eigentlich weggezogen aus Berlin?
Olá Rotkapi,
seit ich dein Blog gefunden habe, will ich unbedingt nach Berlin
)
Grüssle,
Sandra
Ja, wunderbar! Auf nach Berlin!
Aber nimm Dich in Acht – “Grüssle” sagst du hier besser nicht!
Camouflage, meine Liebe, Camouflage!