Mit Dirk-Benedikt muss ich erst eine Weile über die Gegensprechanlage verhandeln. „Wir können raus gehen“, sagt er, und „ich hab Besuch von meinem Cousin“, und schließlich: „es ist hier überhaupt nicht aufgeräumt.“ Das interessiert mich nicht, beruhige ich ihn, ich schreibe nie über den Zustand einer Wohnung – und ich war schon in einigen. Ich darf hoch – und mache mich im Treppenhaus schon auf das Schlimmste gefasst.
Dirk-Benedikts Wohnung allerdings ist tiptop, wirklich tiptop, geschniegelt und sortiert, ein Ausstellungsraum, sozusagen. Und wo ist jetzt dein Chaos, frag ich. Dirk-Benedikt zeigt auf eine Matratze, die am Boden liegt. Auf der Matratze liegt ein Schal. „Hier“, entschuldigt er sich, „mein Cousin ist doch zu Besuch. Hier liegt ein Wäschehaufen. Und der Tisch steht da normalerweise auch nicht.“ Er deutet auf ein Tischchen, darauf thront ein Mac, ein riesiger. „Mein Cousin hat sich extra seinen Computer mitgebracht.“ Wie lang bleibt denn dein Cousin? „Zehn Tage.“
Dirk-Benedikts Wohnung ist komplett in Schwarz-Weiß gehalten. Komplett heißt: komplett. Von der Einbauküche über die Konsole bis hin zur Bettwäsche. Sogar die Tassen sind schwarz-weiß. An den Wänden großformatige Schauspieler Portraits. Schwarz-Weiß.
„Ich mag den Prenzlauer Berg. Ich mochte ihn auch schon, als ich Berlin noch gar nicht kannte. Ich mag die Infrastruktur. Und auch die Prenzlauer Berg Mütter – ich finde es beruhigend. Einige finden das ja nervig, aber ich finde Mütter, die ihre Doppelkinderwagen vor sich herschieben, beruhigend, ja. Und ich finde es praktisch, dass hier so viele Schauspieler, Musiker und Künstler wohnen.
„Heute morgen erst, auf dem Markt, habe ich zum Beispiel Jared Leto getroffen.“ Aha…? „Der spielt neben Christian Bale in „American Psycho““. Hab ich nicht gesehen, sag ich, ich bin eher der Leser als der Fernseher. Aber großartiges Buch. „Ja, oder? Ich hab beides, Buch gelesen und Film gesehen. Und es ist nach „Stille Tage in Clichy“ und „Fear and Loathing in Las Vegas“ die beste Romanverfilmung.“
Dirk-Benedikt hält einen beeindruckenden Vortrag über Adaptionsstärken des Drehbuchs, adäquate Übersetzung der Charaktere, Kameraeinstellungen, dramaturgische Raffinessen. Alle Achtung, so detailliert hast du den Film im Kopf, sag und frag ich. „Naja, ich muss zugeben, dass ich mich in meinem Einrichtungsstil an dem von Patrick Bateman orientiert habe. Oder sagen wir so: die beiden Einrichtungsstile… überschneiden sich.“
Dirk-Benedikt ist Designer und kam vor fünf Jahren aus Frankfurt nach Berlin. „Es mag ja sein, dass das, was ich mache da, wo ich herkomme, recht unkonventionell ist. Also, einen Job zu haben, dem man unter Umständen eben nicht 40 Jahre lang bis zur Rente nachgeht. Aber hier ist es normal. Und auch das DesignerSein ist für den Prenzlauer Berg wohl eher konventionell. Berlin, das sind für mich viele Menschen, die etwas wagen, die etwas auf die Beine stellen. Und damit aber auch scheitern. Dadurch ist so viel Bewegung in der Stadt. Aber das Scheitern wird als Chance begriffen. Der eine Laden funktioniert nicht? Dann versuch ich was anderes.“
Die Wohnung hat Dirk-Benedikt über einen Makler gefunden. „Ich musste erst zwei Monate darauf warten, weil hier im Flügel eigentlich nur Sozialwohnungen mit Wohnberechtigungsschein vergeben werden. Aber ich werde wohl eh bald umziehen, sie ist mir ein bisschen zu klein. Ich habe sie auch nur genommen, weil sie die einzige Wohnung war, die wirklich gut saniert war. Ich versuche einzig und allein, mit dieser Raufasertapete zu leben. Aber die Decke ist glatt gestrichen, so geht es wenigstens.“
„Wahrscheinlich werde ich die Wohnung aber dann auch behalten. Ja, genau so mach ich’s. Ich nehm mir ne größere und behalte die hier. Für Freunde und Familie, da ist ja eigentlich immer jemand zu Besuch.“

Pingback: Ihr ward wunderbar. (das offizielle Ende). | hausbesuchwins
Ich bin so begeistert:) Von dir, von diesem Blog, von deiner Aktion. Ich finde das so mitreißend das ich es am liebsten selber mal probieren würde (allerdings würde es wohl an der Klingel scheitern
Ich bin gespannt wie es weitergeht und freue mich
Liebste Grüße Kiwi
liebe Kiwi –
danke! Das freut mich!
Und: JA, probier es, geh klingeln! Und halte durch, bis dich der erste reinlässt.
Es macht total Spaß!!! Wirklich, es sollte Volkssport werden…
Liebe Grüße!
Herrje, liebe Kiwi,
gerade lese ich auf deinem Blog, dass du kurz vor der Entbindung stehst!
Alles, alles Gute!!! Und viel Freude!!!
So ungewöhnlich scheint schwarz-weiß nicht zu sein. Ich kennen ein paar wirklich komplett solche im Prenzelberg. Und da ist die von Dirk-Benedikt nicht dabei.
Grüße! N.