Noch 31 Tage und schon 120 Kaffees: Emma.

„Was mir beim Einzug nicht bewusst war“, erzählt Emma, nachdem Jan sein Aufnahmegerät ausgeschalten hat, weil Emma nicht ins Radio kommen will, „ist: dass diese Kirchenglocken ja alle Viertelstunde schlagen. Auch nachts weiß ich immer, wie spät es ist. Und außerdem ist auch der Kindergarten hier – und ich bekomm alles mit. Da werden die Kinder gefragt, wie denn ihr Tag war. Und was sie am Wochenende gemacht haben. Und dergleichen.“ Sie hält kurz die Luft an. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich damals gefragt worden wäre.“

„Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich Kinderhasserin bin, überhaupt nicht, aber hier bekommt man schon die volle Ladung Kinder auf der Straße… Ich hab schon zu Freundinnen in Köln gesagt – ich komm aus Köln – ob sie denn nicht einen alten Kinderwagen aus den 70ern hätten, den könnten sie mitbringen und hier für viel Geld verkaufen. Das scheint ja hier gerade „in“ zu sein: entweder ein uraltes Modell, oder eins von diesen superschicken Hightechdingern, ich weiß jetzt nicht, wie sie heißen.“

“Ward ihr schon mal in Köln? Köln sieht genau so aus, wie der Prenzlauer Berg.”

Mein Baby quengelt, todmüde. Emma bringt einen Echidna (hö?), einen Australischen Schnabeligel. Aus Stoff, natürlich, keinen echten. „Ich hab keine Kinder“, sagt Emma, „ich habe mich für die Karriere entschieden.“ Die Karriere führte Emma unter anderem nach Australien, für zwei Jahre. „Das war toll dort. Die Leute gehen da auf einen zu, man braucht bloß mit einer Landkarte am Straßenrand stehen, schon wird man angesprochen.“ Weil Emma projektbezogen, also auch projektbefristet arbeitet, wartet sie gerade auf das nächste Projekt. „Aber mit zunehmendem Alter wird es schwierig, in der Wissenschaft unterzukommen. Deswegen will ich so langsam in die Wirtschaft wechseln. Aber da hab ich bisher noch nicht Fuß fassen können.“

Über rotkapi

hinterhausbewohnende, kuchenbackende und neugierige prenzlauerbergerin mit süddeutschem migrationshintergrund
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