Noch 22 Tage und eine Auszeit über Bande.

“Auszeit für mich” ist das, was in den herrlichen Wellnesshotels der brandenburgischen Umgebung (Prospektereisende ich, seufz) als Wohlfühlpaket mit Halbpension, Massage (Schulter und Nacken), Ziegenmilchbad und 10 Minuten in der Heukraxe (was auch immer das ist, klingt, als bräuchte man hinterher gleich noch eine Massage) daher kommt.

Für mich kommt die Auszeit in Form einer hartnäckigen Migräne (zweieinhalb Tage), einer mittelprächtigen Magenschleimhautentzündung (ein Tag und immer noch ein bisschen) und einem unerträglichen Ungustltum daher. So viel zu meinen feiertäglichen Kaffees. (InDerEckeStehUndVerlegenDenFingerInDieWandBohr) Null. Nichts. Zero. Nada. Bett.

So müde war ich. Und so weich. Dieses Jahresende macht mich weich. Jedes Jahresende macht mich weich, aber dieses Jahresende ganz besonders (das denke ich von jedem Jahresende – kann man weicher als weich werden?). Unmöglich in meinem weichen Zustand, mir von einer fremden Person ein “NEIN” ins Gesicht sagen zu lassen, mir eine Abfuhr abzuholen. Für Abfuhren braucht man ein dickes Fell. Meins ist grad so räudig und dünn. Ich KANN einfach nicht losgehen und klingeln. Es geht nicht. (Schlimmstes Klingeltief seit Wettbeginn). Beim Gedanken an eine Gegensprechanlage werd ich sofort wieder müde. Muss ins Bett. (Das sind die Spätfolgen der Winsstraße, 63 Absagen in 63 Minuten). (Diese unsägliche Winsstraße, wär ich doch nur… egal.).

Was tun? Weiter winseln? Abbrechen? (Verlockung ist groß. Silvester feiern, danke 2011, und im Januar ein bisschen “Auszeit für mich”, aber die brandenburgische.) Soll ich bei der Gelegenheit mal kurz ausrechnen, wie viele Kaffees ich täglich trinken müsste, um die Wette zu schaffen? Ich will es nicht ausrechnen. Ich kann’s ja mal überschlagen, grob. Macht vier. Pro Tag. (MirMitDemZeigefingerAnDieStirnTipp).

Andererseits: die vielen interessanten Menschen, die ich treffe. All diese Begegnungen. Die Freundschaften. Die MichNachdenklichMachenden. Wer weiß, wen ich verpasse, hörte ich jetzt einfach auf. Hm. Vielleicht kann ich mich ja an den noch ausstehenden Einladungen aus dem Klingeltief schleppen.

Vorerst.

Über rotkapi

hinterhausbewohnende, kuchenbackende und neugierige prenzlauerbergerin mit süddeutschem migrationshintergrund
Dieser Beitrag wurde unter Alltag abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Noch 22 Tage und eine Auszeit über Bande.

  1. ideenkind schreibt:

    Bitte mach weiter. Ich finde deine Geschichten toll. Sie machen mich nachdenklich und toleranter. Und ich lese sie gerne. Sehr gerne. Ich bewundere, was du tust und deinen Mut. Also dich. Falls ich es nicht schon gesagt habe: du bist meine Heldin!
    Aber bitte mach weiter, weil es dir Spaß macht und nicht weil du die Wette gewinnen willst. Und hör bitte auch nicht nach 200 Tagen oder 200 Kaffees auf. Du kannst noch so viele Geschichten erzählen, wenn du einfach so weitermachst. Das würde mich freuen.
    LG, Sabrina

  2. Peter Praschl schreibt:

    Sei mir nicht böse, wenn ich Dir die Leviten lese. Ich darf das, ich bin ein Leser. Ein Leser, kein Sportfreak, kein Spieler, kein Schlachtenbummler. Mich interessieren Texte. Mich interessiert nicht, ob Du ein Rennen gewinnst, eine Wette verlierst, in Rekordzeit über Ziellinien taumelst, Tore aus unmöglichem Winkel schießt. Kann schon sein, dass Dich das interessiert, jeder hat ja seinen eigenen Spleen. Mir ist es herzlich egal. Aber sowas von. Es imponiert mir nicht, wenn Du Wetten gewinnst. Ich hab nicht auf Dich gesetzt, und ich würd’s nie tun, weil man das nicht tut: auf den Masochismus anderer Menschen setzen. Wer soll was davon haben, wenn Du Dich schindest? Niemand hat was davon, nicht einmal Du. Gegen wen hast Du gewettet? Gegen Dich, heißt es bei Dir. Worum? Wie kannst Du gewinnen, wie verlieren? Was? Versteh’ ich nicht, aber ich bin auch kein Spieler. Ich bin nur ein Leser, und ein Liebender. Ich liebe Deine Texte. Ich liebe dieses Weblog. Ich liebe, was Du machst (abgesehen vom Wetten). Weißt Du überhaupt, was Du machst? Du schreibst großartige Texte. Du bist eine Literatin Journalistin Forscherin. Reicht mir. Dir nicht? Reicht mir, um dankbar begeistert glücklich beeindruckt zu sein. Bringt mir etwas bei, macht mich klüger. Unterhält mich. Sollte es mich darüber hinaus interessieren, ob Du 200 in 200 Tagen schaffst? Tut es nicht. Überhaupt nicht. Ich bin ein Leser. Ich hab kein Interesse daran, dass Du Normen erfüllst, Stückzahlenrekorde brichst, Akkord arbeitest, Sonderschichten einlegst. Ich liebe Texte. Ich liebe Deine Texte. Wenn man liebt, ist man geduldig. Wenn man liebt, will man nicht Kunststückchen sehen. Wenn man liebt, fällt man dem, den man liebt, in den Arm, wenn er sich ruinieren will. So ist das, und ich habe recht damit. Kann ja sein, dass es Dir hilft, wenn Du Dir selbst erzählst, dass Du das alles als Wette begonnnen hast. Aber es ist schon lange keine mehr, pfeif’ auf den Gründungsmythos. Das hier sind Texte. Das ist besser als jede Wette. Du hast gewonnen, schon längst, glorios. (Und noch was: Du bist Deinen Texten etwas schuldig. Und was Du ihnen schuldig bist, kannst Du ihnen nicht geben, wenn Du Dich selbst kaputtmachst.) (Und jetzt: weitermachen.) (Aber ganz ganz ganz langsam.) (Hab’ mal in Kyoto bei einem Lackschalenmeister gesoffen, sehr viel Sake. Irgendwann gefragt, wie lange er für seine Lackschalen braucht. Für manche acht, zehn Jahre, sagte er. Warum, fragte ich. Bis sie gut werden, sagte er. Darf ich eine sehen, fragte ich. Er zeigte mir eine, klein genug, um auf meine Handfläche zu passen. Acht Jahre, sagte er, stimmt aber noch nicht. Ja, sagte ich. Schöneres als diese Lackschale habe ich nicht oft in meinem Leben gesehen. Wenn Du verstehst, was ich meine.)

    • rotkapi schreibt:

      Glorreiche Wette. Allein schon diese Leviten war sie es wert. Danke. (mundoffenstaunend vor der Pyramide. Oder der Lackschale. Wenn Du verstehst, was ich meine.)

  3. avalon schreibt:

    liebe rotkapi,

    sei gut zu dir. wenn dein körper ruhe und alleinsein möchte, dann gib ihm das doch. es hat nichts mit versagen zu tun. scheiß auf ein (mögliches) schlechtes gewissen. laß die vorgehaltene pistole sinken und gib dir ein paar tage auszeit.
    mit lieben unbekannten grüßen,
    e.

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s